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Deutsche Auslandsaufklärung

- Sektor Fremde Dienste -
 
 
 
Einordnung des Wirkungsgrads der russischen Nachrichtendienste
nach Sulisbury durch die britische Intelligence
 
-    Einschätzung Fremddienste/Arbeitsübersetzung aus dem Englischen -
 
Klassifikation: Nur zur dienstlichen Verwendung/Keine Publikation!
London, November 2018
 
 
 
Weit über den normalen Spionagemodus gehen die russischen Nachrichtendienste. Mit ihren Störaktionen gegen das Leben in den Zielgesellschaften verwischen sie die Grenze zwischen Krieg und Frieden. Nach britischen Erkenntnissen wurden die militärischen Spezialeinheiten des russischen Nachrichtendienstes GRU auf über 25.000 Mann aufgestockt.
 
Russland hatte eine Beteiligung seiner Spetsnaz in der Ukraine offiziell bestritten. Diskret richtete man in Moskau 2014 Gedenkfeiern für zwölf in der Ukraine gefallene GRU-Angehörige.
 
 
 
 
  • In Syrien kommen gegenwärtig 1.000 Spetsnaz-Kräfte bestehend aus ethnischen Tschetschenen und Inguschen zum Einsatz.
 
  • Britische Partnerdienste im Rahmen der Five Eyes interpretieren die zahlreichen Pannen der russischen Nachrichtendienste im Ausland mit einem Testlauf für neue Programme Moskaus zum effizienten Agenteneinsatz. Die westliche Rekonstruktion mittels regulärer russischer Datenbanken und Informationsmittel hat beispielsweise dem FSB wertvolle Hinweise verschafft.
 
  • Russische Dienste setzen Malware als verdecktes Instrument der ökonomischen Kriegsführung in Reaktion auf westliche Sanktionen ein. Mit Hackerangriffen auf politische Ziele zerstören sie das Vertrauen der Bürger in das demokratische System generell.
 
1) Inlandsnachrichtendienst FSB mit Exekutivbefugnis und Auslandseinsatz
 
Russlands Inlandsnachrichtendienst (FSB) ist nach britischer Auslegung nicht nur der Nachfolger des KGB, sondern er führt die Verfolgung der Dissidenten unter neuen Bedingungen fort. Dabei macht sich der FSB der Folter, Erpressung, Korruption und anderer Rechtsverletzungen schuldig.
 
- Laut der russischen Regierung handelt es sich beim FSB um ein föderatives Exekutivorgan (Umsetzung der Regierungspolitik in der Nationalen Sicherheit, Terrorbekämpfung, Schutz der Binnengewässer, der natürlichen Ressourcen, Verteidigung der Staatsgrenze und Gewährleistung der Informationssicherheit);  
 
- Vladimir Putin erweiterte die Befugnisse des FSB, insbesondere der originären Auslandsaufklärung (mit Gegenspionage) dieses Inlandsdienstes, einschließlich der Quellenführung und der Durchführung von Spezialoperationen im Ausland
 
- Die Symbiose aus Nachrichtendienst und Oligarchie hat das System Putin von Anfang an geprägt. Im Jahre 2000 bezeichnete der FSB-Direktor (damals Nikolai Patrushev, heute Sekretär des Sicherheitsrats beim Präsidenten) seine Offiziere als „neuen Adel“. FSB-Beamte wurden wegen Folter und anderer Menschenrechtsverletzungen angeklagt. Einige von ihnen sollen angeblich auch an illegaler Einkommensgenerierung beteilt sein. Kleptocracy Initiative und NGO’s berichten, dass der FSB russische Geschäftsaktivitäten durch ein komplexes System von Praktiken kontrolliert. Von Unternehmen und Geschäftsleuten werden Geld oder Kickback erpresst. Es ist nicht ungewöhnlich, dass der FSB das betreffende Unternehmen demontiert oder beschlagnahmt, wenn sich ein Geschäftsmann weigert, den „Gewinn zu teilen“.
 
 
2) Westaufklärung und verdeckter Handelskrieg als Antwort auf westliche Sanktionen
 
Seitdem Vladimir Putin im Kreml Entscheidungen trifft, wird die Anzahl der Mitarbeiter in den verschiedenen russischen Nachrichtendiensten auf 200.000 Personen geschätzt. Viele hochrangige Beamte und Manager des korporativen Silovik-Systems gehörten dem soviet-russischen Sicherheitsapparat an. Neben dem Auslandsnachrichtendienst SVR, den der ehemalige Parlamentschef und KGB-Konfident an einer Handelsmission Sergei Naryshkin leitet, gibt es andere Dienste zum Schutz russischer Politiker (zum Beispiel der Personenschutzdienst FSO), die ebenfalls aus dem KGB stammen, aber Einzelheiten ihrer Arbeit sind nicht verfügbar.

 
- Aus der Ersten Hauptverwaltung EHV des KGB gebildet, teilt sich der SVR mehrere Funktionen mit dem GRU: Politische Intelligence, wissenschaftlich-technische Intelligence (Industriespionage) und Illegale Intelligence (dabei handelt es sich um das aufwendige Programm der Einschleusung unter falscher Identität/Legende, das bis zu sieben Jahre dauern kann)
 
- Einer Five-Eyes-Information der US-Nachrichtendienste zufolge arbeiten allein in den Vereinigten Staaten über 100 SVR-Agenten. Im Jahre 2010 wurde ein Spionagering mit Anna Chapman liquidiert. Die Aufgabe der Gruppe bestand in der Berichterstattung über die US-Wahlen. Zehn russische Agenten wurden in den USA festgenommen und gegen in Russland inhaftierte West-Agenten ausgetauscht. Einer von ihnen war Sergei Skripal, das Opfer des Nervengasangriffs in Salisbury. 2015 behauptete man, dass Gareth Williams (Mitarbeiter von GCHQ und MI6) von SVR Agenten eliminiert wurde, da er die Identität eines russischen Maulwurfs bei GCHQ kannte.
 
- Der FSO (Personenschutz) stellt ein weiteres wichtiges Element des früheren KGB dar und ist auf den Schutz hochrangiger Persönlichkeiten spezialisiert. Ihm untersteht außerdem das Regierungsfernmeldewesen (Schutz/Vergabe) des früheren Dienstes FAPSI, dessen Aufklärungskomponente dem FSB zugeschlagen wurde. FSO managt das auf einen Angriff ausgelegte geheime Untergrundsystem in Moskau, das in Friedenszeiten unterirdisch staatliche Einrichtungen miteinander verbindet. GUSP ist die Hauptdirektion für Sonderprogramme des Präsidenten.
 
Als militärischer Nachrichtendienst besteht der offizielle Auftrag des GRU darin, dem Präsidenten und der Regierung Informationen militärischen, ökonomischen und technologischen Charakters zur Verfügung zu stellen. Der GRU stand hinter zahlreichen Cyberangriffen gegen westliche Institutionen, einschließlich des hackings der Demokratischen Partei (sog. Clinton-Emails).
 
-    Der Organisation fällt die führende Rolle in der Cyberkriegsführung zu (Angriffe auf den US-Wahlkampf 2016, der Mordversuch an den Skripals, der Hackerangriff auf das FCO und das Forschungszentrum für Verteidigung, Wissenschaft und Technologie Porton Down, die Weltdopingagentur und OPCW, etc.)
 
Entsprechend dem britischen GCHQ ordnet man eine Vielzahl von Hackeroffensiven Russland zu, aber nicht allein. Konkret mit dem ND GRU sind/waren verbunden: APT 28, Fancy Bear, Sofacy, Pawnstorm, Sednit, CyberCaliphate, Cyber Berkut, Voodoo Bear, BlackEnergy Actors, STRONTIUM, Tsar Team und Sandworm19. Die Cybergruppe der Five Eyes ordnete in Zusammenführung verschiedener Erkenntnisse aus Australien, Neuseeland (Asian Part) sowie dem Vereinigten Königreich und den Vereinigten Staaten (Russland-Part) mit hoher Sicherheit die Schadprogramme WannaCry der nordkoreanischen Lazarus Group und NotPetya Russland zu.
 
Comment:
 
US National Security Council NSC ordnet die Angriffe mit Malware unmittelbar Gegenreaktionen Russlands und Nordkoreas auf internationale Sanktionen zu. Mit diesen Programmen sollen die westlichen Volkswirtschaften nachhaltig geschädigt werden. Der Schaden beziffert sich laut NSC auf mehrere Milliarden USD. NSC analysiert die politisch motivierten Cyberattacken im Kontext größerer Verunsicherung unter der Bevölkerung. Obwohl keine Infrastruktur beschädigt wurde, wurde das Vertrauen in den demokratischen Wahlablauf untergraben. Die US Cyberabwehr folgert, dass Cyberspace zu den ersten Schritten und Vergeltungsmaßnahmen im realen Krieg gehört. Ein Cyber-Gegner kann zahlreiche Angriffsvektoren gleichzeitig nutzen.

3) Russische Nachrichtendienste im Testlauf für Perspektivagenten
 
Operativ verfügt der GRU über eine Reihe von Spezialeinheiten (Boden, Luft,  Marine) mit Tradition, darunter die Spetsnaz. Deren Mitarbeiter verfügen über eine komplexe nachrichtendienstliche Ausbildung (Funk, Auswertung, Sprachen, Nahkampf, Sprengmittel etc.). Die Spetsnaz sind darauf spezialisiert, Aufstände und innere Unruhen auszulösen und/oder zu bekämpfen, Waffen zu schmuggeln, Untergrundkriege zu führen und hinter den feindlichen Linien aufzuklären.
 
-    25.000 Mann umfasste laut einer offiziellen Angabe aus 1997 die größte Spetsnaz-Truppe des GRU. Nach aktuellen Angaben gibt es sieben reguläre Spetsnaz-Brigaden (je 500 Mann) im Verbund mit dem 25. Spezialregiment und vier Bataillonen im Rahmen des neuen Special Operations Command der Streitkräfte

Diese Spezialkräfte wurden nachweisbar in der Ukraine eingesetzt, in Afghanistan aber auch im Nahen Osten (aktuell Syrien). Der Kreml scheint politische Interventionen in rivalisierenden Staaten (in der UdSSR als „aktive Maßnahmen“ bezeichnet) als Strategie voranzutreiben, folgert die British Intelligence.
 
  •  Die Tatsache, dass ein Großteil dieser Operationen öffentlich bekannt geworden ist und viele von ihnen gescheitert sind, ist vielleicht überraschend. Das trifft zusammen mit der Strategie der westlichen Regierungen, möglichst viel von dem was sie wissen öffentlich zu machen. Im Unterschied dazu galt früher eine höchstmögliche Geheimhaltung über Erkenntnisse und Methodik der westlichen Nachrichtendienste.
 
Nach britischer Lagebeurteilung könnte ein Nachteil der Transparenz-Offensive westlicher Dienste darin bestehen, dass Russland zum Beispiel seine Agenten mit anderen Tarndokumenten ausstaffiert und einen anderen Vorlauf schafft.
 
Comment:
 
Central Intelligence Agency
 
XXX
 
Neue russische Maßnahmen beinhalten Identitätsmerkmale und Eigenschaften (Change Characteristics of Espionage). Zum Beispiel sei der offizielle Empfang des russischen Spionageteams am Amsterdam Schiphol Airport [Tuesday 10. April 2018, Arrival from Moscow] durch einen von der holländischen Abwehr erkannten Mitarbeiter der russischen Botschaft und das Zurücklassen von Spionagemitteln ein höchst ungewöhnlicher Vorgang [vgl. Dokumentation des niederländischen Militärnachrichtendienstes vom 04.10.2018]. Und diese operativen Vorgänge deuten auf eine qualitativ ausgerichtete russische Auslandsaufklärung, die sich aus verschiedenen Diensten unter dem Management Naryshkins fusioniert.
 
FINAL
 
 
XXX
 
 
Abschluss: 26.11.2018

 

 
 


 

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