Ihre Browserversion ist veraltet. Wir empfehlen, Ihren Browser auf die neueste Version zu aktualisieren.

 

Deutsche Auslandsaufklärung

 

Dominoeffekt der Nahostkrise auf die innere Sicherheitslage im Postsowjetraum

(Auszug)
 
[I/VIII/28-18, 07.08.2018]


In ihren Szenarien spielen die Sonderdienste der GUS die Möglichkeit bürgerkriegsähnlicher Zustände in den mittelasiatischen Staaten durch, wie sie zu Beginn der 1990er Jahre auftraten. Ausgelöst durch IS-Planungen zur assymetrischen Konfliktführung. Vereinzelt hätten sich frühere OMON-Kommandeure vom IS mit Einsatz Syrien/Irak anwerben lassen. Direkt betroffen von einem terroristischen Coup sind militärische Einrichtungen Russlands im postsowjetischen Raum. In Rede steht immer öfter Tajikistan.

 


Anmerkung:

Diese Variante, die Beistandshandlungen bei größeren Unruhen in fragilen Staaten der ehemaligen UdSSR hervorruft, kann auch zur Stütze autokratischer Systeme im gemeinsamen Interesse zwischen den Führern dieser Staaten und Russland angewandt werden.
 
Nach Bewertung des GUS-Antiterrorzentrums bleibt die operative Situation in Mittelasien einerseits von der Zunahme terroristischer Bedrohungen im Gebiet Afghanistan/Pakistan und andererseits von der sich flexibel ändernden Situation in Syrien/Irak gekennzeichnet. Ein neues Modell terroristischer/extremistischer Aktivitäten werde aus diesen Staaten in die Länder Zentralasiens exportiert. Nach russischer Information bereiten sich Splittergruppen des IS auf eine Assimilierung mit lokalen extremistischen Gruppen Mittelasiens vor, nachdem dies in Afghanistan begründet wurde. Das Anti-Terrorzentrum/Антитеррористического центра СНГ der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten schließt auf IS-Aktivitäten zur Vereinigung mit Gruppen in Xingjiang. Ausgangspunkt ist der Norden Afghanistans, von wo aus man mit solchen Organisationen wie Islamische Partei Turkestans, Union Islamischer Jihad und Jund al-Khilafa kooperiert. Zunehmend betroffen sind fragile ethnische Zonen im Kaukasus.
 
•    Mitte Juli 2018 schaltete das Nationale Sicherheitskomitee Kazakhstans eine militante islamistische Gruppe in der Region Karaganda aus. Im Februar 2018 gab der Stab des Nationalen Sicherheitsausschusses Tajikistans die Festnahme von 14 terroristischen Elementen der seit 2015 verbotenen Islamischen Wiederbelebungspartei IRPT/ Ҳизби Наҳзати Исломии Тоҷикистон Hizbi Nahzati Islomii Tojikiston bekannt, die für März 2018 einen Anschlag auf die 201. Russische Militärbasis (Grenzschutz zu Afghanistan) geplant hatte. Dabei wurde festgestellt, dass terroristische Elemente zum Einsickern die Route Afghanistan, Iran und wahlweise ein Land Mittelasiens (in dem Fall Kyrgyzstan) zum finalen Übertritt in ein anderes mittelasiatisches Land nutzen.


Konkrete Vereinbarungen, insbesondere zur Feststellung sog. Rückkehrer im Transit, haben der Leiter des uzbekischen Staatssicherheitsdienstes, Generalleutnant Ikhtiyor Abdulloyev/ Ихтиёр Абдуллоев [geb. 1966 in Uchkuprik/Region FERGANA, von 2000-2001 Vorsitzender des Stadtgerichts Andischan] und der Leiter des Staatlichen Komitees für Nationale Sicherheit Tajikistans Saymumin Yatimov/ Саймумин Ятимов [geb. 1955, Iranist, diplomatischer Dienst, Einsatz in Teheran und Brüssel] getroffen.
 
Während einer Gemeinsamen Großübung im September lfd. Jahres steht die Interaktion der Sonderdienste und Strafverfolgungsbehörden der SCO-Mitgliedsstaaten bei der Durchführung koordinierter Maßnahmen auf dem Prüfstand. Frühwarnsysteme will man effizienter als bisher aufstellen.


Abschluss: 07.08.2018, 19.30 MESZ

Intelligence zur ökologischen Komponente des Nordstream Projekts

(Auszug)

[I-012/320, 19.07.2018]


Vordergründig bezieht sich die europäische Kritik an der Pipeline Nord Stream 2 auf den problematischen Umgang mit Umweltstandards.

Defizite aus dem Projekt Nord Stream 1 seien ungenügend in den Planungen zur zweiten Linie berücksichtigt worden. Ausweislich der Intelligence, basierend auf von der Regierung Finnlands zusammengestellten internationalen Expertisen, kollidiert das Projekt mit dem Pariser Klimaschutzabkommen.

Die Intelligence-Analyse führt eine Reihe externer Auftragnehmer zusammen. Darunter finden sich neben russischen Gesellschaften wie United Metallurgical Company (Rohrleitungsbau) die niederländischen Unternehmen Allseas Group S.A. (mit Sitz in der Schweiz, 1618 Châtel-Saint-Denis), Boskalis und Van Oord. Als weitere Sublieferanten/ Auftragnehmer wurden Voestalpine Grobblech, Wasco, Streamtec Solutions ausgemacht.

Am 05.03.2018 wurde in London die Nord Stream Development LP (LP019257) unter der Anschrift 85 Great Portland Street, First Floor London, W1W 7LT, eingetragen.

Das Bundeskartellamt ermittelte gemeinsam mit den österreichischen Behörden gegen Voestalpine Mitte September 2017 wegen des Verdachts kartellrechtswidriger Absprachen im Bereich Grobblech. Von den Untersuchungen unmittelbar betroffen war der Salzgitter Konzern. Sein Tochterunternehmen EUROPIPE ist seit jeher mit den Nord Stream Projekten befasst. Die Trump Administration hatte im März 2017 Voestalpine und Salzgitter wegen Dumpings namentlich angegriffen. Im Fall Voestalpine wurden die Verträge durch den Besuch des russischen Präsidenten Putin 2014 angeschoben.

Hinter der Streamtec Solutions AG stecken Leute aus der ersten Nord Stream Generation wie Henning Kothe [geb. 1964, wohnhaft in Unterägeri], die im Namen der beteiligten Gesellschaften [ENGIE, OMV, Shell, Uniper und Wintershall] Beratungsleistungen erbringen. Public Relations-Unternehmen wie Brunswick, Edelman, Fleishman-Hillard und G-Plus interagieren mit dem Ostausschuss der Deutschen Wirtschaft, wo Klaus Schäfer (Uniper) als Stellvertretender Vorstand fungiert und Dr. Joachim Lang (Bundeskanzleramt, Leiter der Politischen Repräsentanz von E.ON in Berlin) die Aufgaben des Schatzmeisters übernommen hat. Im Vorstand des Ostausschusses findet sich Jürgen Fitschen (Deutsche Bank), der seinerzeit den ehemaligen BND-Präsidenten Ernst Uhrlau als Berater verpflichtete. Uhrlau verdankt seine Karriere als Koordinator der deutschen Nachrichtendienste und später BND-Präsident in allererster Linie ABK Gerhard Schröder. Der seit 2016 Geschäftsführer des Ostausschusses der Deutschen Wirtschaft Michael Harms [geb. 1964, zuvor GF der Deutsch-Russische Außenhandelskammer in Moskau] war während seiner Moskauer Zeit Rainer Seele [geb. 1960] unterstellt. Seele war CEO von Wintershall (Träger der Nord Stream Projekte) und er hat OMV (Österreich) übernommen.

 

Über Uniper, wo der ehemalige Chef von E.ON Ruhrgas, Dr. Burckhard Bergmann [geb. 1943] und Dr. Klaus Schäfer [geb. 1967] maßgeblich die Strategie abstecken (Bergmann übergab 2017 die Amtsgeschäfte des russischer Honorarkonsuls in NRW an Schäfer) sicherte sich der ehemalige CDU-Politiker Friedbert Pflüger [geb. 1955] Aufträge für sein Consultingunternehmen Pflüger International [Uhlandstraße 175, 10719 Berlin]. Im Unternehmen Iraq Petroleum offeriert sich Pflüger als politischer Türöffner. Iraq Petroleum ist unter Beteiligung des russischen LUKoil-Konzerns multilateral aufgestellt zur Entwicklung/zum Export irakischer Rohstoff-Ressourcen. In der Berliner Uhlandstrasse 175 findet sich die KGE Business Alliances GmbH mit kurdischem Management.

Bildtechnische Quelle: Nord Stream II/Zug, Switzerland

 

Rundweg lehnen Umweltschützer das Projekt Nordstream 2 ab. Greenpeace, HELCOM Habitat, Nature and Biodiversity Conservation Union und WWF halten Nordstream 2 aus Umwelt- und Sicherheitsgründen für noch nicht ausgereift. Die Schweizer Intelligence Analyse merkt an, dass Nord Stream 2 durch fünf Schutzgebiete führt, was den natürlichen Lebensraum bedrohter Arten negativ beeinträchtigen würde. In Russland selbst könnte der Bau der Pipeline die lokale Flora und Fauna gefährden, indem radioaktiver Niederschlag aus der Tschernobyl-Katastrophe freigesetzt wird, der das Sediment auf dem Meeresgrund rund um die Kurgalsky-Halbinsel verunreinigt hat. In einem Brief an Präsident Putin fordern (laut dem Report der Schweizer Intelligence) Vertreter nationaler Minderheiten aus dem Distrikt Kingiseppsky [ehemals Yamburg] den Abbruch der Nordstream-2-Arbeiten. Das Naturschutzgebiet Kurgalsky im Gebiet Leningrad verweist auf 250 Vogelarten und 750 Pflanzenarten.

Vertrauliche Regierungsdokumente zeigen Berichten zufolge, wie das Konsortium in mehreren Treffen mit russischen Politikern versucht habe, entweder die geltenden Rechtsvorschriften zu ändern oder die Grenzen des Naturschutzgebiets neu zu definieren. Bedenken wurden auch hinsichtlich der möglichen Freisetzung von stark karzinogenen Chemikalien geäußert, da ein Teil der Pipeline durch ein Gebiet in Dänemark führt, in dem nach dem Zweiten Weltkrieg angeblich mehrere tausend Schwefelsenfbomben abgeworfen wurden.

Viktor Geshele [Гешеле, Виктор – geb. 1965] bis Januar 2018 Administrationschef von Kingiseppsky ist der Cousin von Gouverneur Drozdenko. So fiel der problematische Abschnitt von Nord Stream 2 familiär an Geshele, der seit April 2018 Generaldirektor der Gesellschaft UST-LUGA HAFEN SERVICE Ltd./ООО "УСТЬ-ЛУГА ПОРТ СЕРВИС" (Terminal zum Umschlag von Ölprodukten) ist. Viktor Geshele wurde in die Management-Reserve des russischen Präsidenten Vladimir Putin kooptiert. Der Hafen ist unter den Familien Geshele/Drozdenko aufgeteilt: Zhana Geshele (42 %), Tatiana Churikova-Melnikova (25 %), Mark Melnik (8 %). Viktor Geshele war 2005 Miteigentümer der Firma. Das Paket von Irina Drozdenko, der Frau des Gouverneurs Alexander, wurde für 89 Millionen Rubel verkauft. Der Weg frei für Viktor Geshele beim Hafen Ust Luga wurde nach der Verhaftung des ehemaligen Generaldirektors Valery Izrailit [Израйлит, Валерий - geb. 1962] wegen Betrugs. Geschäftspartner des Managements UST-LUGA HAFEN SERVICE ist Nikolai Shamalov [Шамалов, Николай - geb. 1950] dessen jüngster Sohn Kirill [geb. 1982, SIBUR-Vorstand, ehemaliger Mitarbeiter der Abteilung Internationales Recht des Gazprom-Konzerns] die Tochter des Präsidenten Ekaterina Tichonova-Putina, geb. 1986 in Dresden, heiratete. Die Ehe ging im Januar 2018 auseinander. Kirill brachte man mit unlauteren Finanztransaktionen in Verbindung.

Abschluss: 19.07.2018

 


 

Urheberrechtlich geschützte Website. Alle Rechte vorbehalten.

Die Internetpräsentation www. auswaertiges-nfb.de dient ausschließlich der Transparenz der Arbeit des Auswärtigen Nachrichten- und Forschungsbüros. Informationen oder Daten dürfen ohne vorherige Zustimmung in keiner Form verwertet werden [§ 15 UrhG]. Der kommerzielle Erwerb von Informationen, Studien oder Analysen ist nicht möglich. Politische Entscheidungsträger außerhalb der Bundesrepublik Deutschland und der Republik Österreich können die Aufnahme in den elektronischen Verteiler des Auswärtigen Nachrichten- und Forschungsbüros formlos beantragen.

Responsible person: Uwe Müller

Website under copyright. All rights reserved.

The internet presentation www.auswaertiges-nfb.de aims exclusively to make the activities of the German Foreign Intelligence and Research Office more transparent. Information or data may not be used in any form without the prior consent of the Office [§ 15 UrhG]. The commercial acquisition of information, studies or analyzes of the German Foreign Intelligence and Research Office is not possible. Policymakers outside the Federal Republic of Germany and the Republic of Austria may apply informally for inclusion in the electronic distribution list of the Foreign Intelligence and Research Office.

 © Auswärtiges Nachrichten- und Forschungsbüro, 2018